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Zeit für Neues

Artikel von Jessica Krysa

Wer umbauen oder renovieren will, muss Kundenwünsche, Kosten und Nutzen berücksichtigen. selfmedic zeigt, wie der Umbau zum Erfolg wird und liefert Inspiration für Neues.

Foto: Aescalup-Apotheke Neumünster, Marcel Franken

Dunkles Holz, Stuck und Schnitzereien haben ausgedient. Nur noch zwölf Prozent der Apotheker sprechen sich für die klassische Offizin aus – 34 Prozent wollen es lieber hell und modern, mit viel Licht und Glas.1 Das Inventar muss heute praktisch sein, die Ware optimal präsentieren und auch Kaufimpulse setzen. Vor allem aber sollen sich die Kunden wohlfühlen, findet Architekt Klaus Bürger. Er sagt: „Wer krank ist, geht in die Apotheke, um gesund zu werden und will sich nicht noch kränker fühlen.“ Heißt unter anderem: Neonröhren haben dort nichts zu suchen. Wirkt die Einrichtung dagegen ansprechend, kann das einen positiven Effekt auf den Erfolg der Apotheke haben: mehr Kunden, motiviertere Mitarbeiter, höherer Umsatz.

Den richtigen Fokus wählen

Umgebaut wird häufig dann, wenn Inhaber wechseln oder sich der Schwerpunkt der Apotheke ändert. Dann kommen Architekten wie Bürger ins Spiel. Er selbst hat 1984 seine erste Apotheke umgebaut. Seitdem hat er sich in diesem Bereich zum Experten entwickelt. Über 110 Apotheken in Deutschland tragen mittlerweile seine Handschrift. „Mein Stil ist klar und leicht. Ich setze auf Minimalismus, aber eine malerische Komponente darf es trotzdem sein.“ Dabei geht Bürger vor allem auf den Inhaber und den Fokus der Apotheke ein. So hat er etwa die Aesculap Apotheke in Neumünster mit viel blauem Mosaik ausgestattet, um den ästhetischen Wünschen des Inhabers Ali Gehrke gerecht zu werden. „Er wollte eine edle Apotheke, ein Unikat.“

Meike Raasch hat 2006 als Inhaberin der Lindenapotheke in Ludwigsburg auf einen Umbau mit naturheilkundlichem Fokus gesetzt. „Die Apotheke, wie ich sie 1999 von meiner Schwiegermutter übernommen habe, war nicht mehr zeitgemäß“, sagt Meike Raasch. „Ich wollte außerdem anders sein als andere Apotheken.“ Das ist ihr gelungen. Die hellen Farben und ein freischwebender HV-Tisch haben der Apotheke zu weltweiter Berichterstattung und Designpreisen für die Einrichtung verholfen. Ein Deckengemälde zeigt auf künstlerische Art verschiedene Pflanzen, die dadurch den Naturfokus der Lindenapotheke aufgreifen. „Ich habe so meinen Ruf hier in Ludwigsburg untermauert. Die Kunden fühlen sich in der Offizin wohler und kommen gerne her“, sagt Meike Raasch.

Damit Kunden die Offizin als angenehm empfinden, sind verschiedene Faktoren beim Umbau wichtig. Neben dem Image sind das vor allem die Wege in der Apotheke: Wie bewegt sich der Kunde vom Eingang zum HV? Und wie lange braucht die PTA vom HV zu den Schränken? Studien zeigen zum Beispiel, dass 70 Prozent der Kunden lieber rechts herum gehen.2 Randzonen sind stärker frequentiert als die Raummitte und die ersten eineinhalb Meter im Eingangsbereich nehmen Kunden kaum wahr.

Foto: Marcel Franken

Eine durchdachte Planung muss sein

Sieben Wochen hat der Umbau in der Lindenapotheke vom ersten Hammerschlag bis zur Neueröffnung gedauert – geschlossen war in dieser Zeit nie. Eine logistische Herausforderung, die sich gelohnt hat. „Das Regierungspräsidium hat uns genehmigt, über ein Seitenfenster zu verkaufen, also als eine Art Kiosk. Das hat gut funktioniert, aber viel Planung erfordert. Mit dem Architekten habe ich das vorab genau durchgedacht“, erzählt Meike Raasch. Schnell wird klar: Die Vorarbeiten nehmen in der Regel deutlich mehr Zeit in Anspruch, als die eigentlichen Umbauarbeiten. Architekt Klaus Bürger geht von mindestens fünf bis sechs Monaten Planung aus, je nach Wünschen und Umfang der Renovierung. Die Schließung umgeht er mal mit Containern, in denen kurzfristig die Verkaufsflächen untergebracht sind, mal mit einem Automaten im Außenbereich. „Damit haben wir die besten Erfahrungen gemacht. Die Kunden sind verständnisvoll und obendrein sehr neugierig“, sagt Bürger. „Ein Apotheker hat beispielsweise die Schaufenster mit unseren Zeichnungen zugehangen und so während der Umbauphase sogar mehr Kunden angelockt als vor dem Umbau.“

Kundenzuwachs nach dem Umbau

Den Umsatz zu steigern stellt das langfristige Ziel eines Umbaus dar. So war es auch bei Bastian Schlotmann, dem Inhaber der Löwen-Apotheke in Goch. Nachdem er 2016 die Apotheke seines Vaters übernommen hatte, wollte er sie unbedingt umgestalten. Weg vom überladenen Stil der 1970er Jahre, hin zu mehr Platz und Freundlichkeit. „Hier ist alles rausgeflogen, sogar einige Wände“, sagt Schlotmann. „Statt Schubläden haben wir jetzt einen Kommissionierer und dadurch mindestens 30 Quadratmeter mehr Platz für die Offizin.“ Die Kunden finden das toll. Direkt nach dem Umbau konnte Schlotmann rund 15 Prozent mehr Kunden verbuchen, mittlerweile hat sich der Zuwachs bei monatlich sieben Prozent eingependelt im Vergleich zur Zeit vor dem Umbau. Ähnliche Erfahrungen hat auch Architekt Bürger bei seinen Projekten gemacht. „Vor allem die älteren Kunden mögen die Klarheit und den Platz in einer modern eingerichteten Apotheke“, betont er.

Investitionskosten im Blick behalten

Damit sich der Umbau finanziell wirklich lohnt, bedarf es allerdings weit mehr als kreativer Ideen. „Behalten Sie Ihre Kosten von Anfang an im Blick und holen Sie sich mehrere Angebote ein“, rät Apothekerin Meike Raasch. Ihr Umbau hat sich mittlerweile refinanziert, doch das dauert eine Weile. Soweit ist Schlotmann noch nicht. Rund 250.000 Euro inklusive der Kosten für den Kommissionierer hat er investiert. „Das braucht erst einmal Mut, denn die enormen Kosten schrecken natürlich zunächst ab“, sagt er. Die Investition in eine neue Einrichtung ist zwar hoch, doch kann sie bei der richtigen Planung die Steuerlast mindern (siehe Infokasten) – sogar Jahre im Voraus.

Mehr Spaß an der Arbeit

Sowohl Schlotmann als auch Raasch bereuen den hohen Einsatz nicht. Neben den neuen Kunden, die sie durch die Veränderung gewonnen haben, spiegelt sich der neue Look auch in der Arbeit ihrer Angestellten wider. „Meine Mitarbeiter und ich gehen jeden Tag viel lieber in die Apotheke“, sagt Schlotmann. Konkret bedeutet das: mehr Freude am Beruf und so weniger Krankenstände. Das Personal hat bei seiner Entscheidung für den Umbau eine wichtige Rolle gespielt. Auch mit Blick auf den Nachwuchs. „Wenn die Apotheke modern und auf dem neuesten Stand der Technik ist, kommt das bei jungen Bewerbern gut an.“ Schlotmann, Raasch und Bürger sind sich einig: Nur mit einer durchdachten Planung steht am Ende eines Umbaus eine langfristige Lösung, über die sich vom Kunden bis zum Chef alle freuen. Sie plädieren auch dafür, lieber einmal groß umzubauen als alle paar Jahre eine andere Baustelle zu haben. Nur wer Mut zeigt, kann sich von der Konkurrenz abgrenzen.

Investitionen richtig abschreiben

Dr. Wolfgang Franzen, Experte für Betriebswirtschaft bei der Thomae-Akademie, sagt: „Mit Abschreibungen können Sie den Investitionsbetrag auf die Jahre der Nutzung aufteilen.“ Das gilt für alle Investitionen über 800 Euro netto. Die Nutzungsdauer ergibt sich aus den Abschreibungstabellen des Finanzamts: bei der Ladeneinrichtung acht Jahre oder bei Laboreinrichtung 14 Jahre.


Dr. Franzens Rechenbeispiel:


Brutto-Kosten für die Laden-Einrichtung 119.000 €
- Mehrwertsteuer - 19.000 €
= Investition netto 100.000 €
/ 8 Jahre Nutzungsdauer
= jährliche Abschreibung 12.500 €

1 www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/apotheke-adhoc-umfrage-einrichtung-standort-entscheidet/;
2 www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2013/daz-40-2013/so-wird-der-umbau-zum-erfolg;
jeweils letzter Zugriff: 22.7.2019

Seminartipp: BWL trifft Führung

Ein Umbau betrifft das gesamte Apothekenteam. Wie Führungskräfte ein gemeinsames BWL-Verständnis im Team schaffen und die Mitarbeiter so auch in schwierigen Zeiten motivieren, erfahren Sie in diesem zweitägigen Seminar der Thomae-Akademie.
Leitung: Doris Nelskamp und Marcella Jung
Nächster Termin: 14./15. Oktober in München
Dauer: 1. Tag: 9.00 - 17.30 Uhr, 2. Tag: 9.00 - 16.30 Uhr

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