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Überzeugend anders - Bewerber gewinnen mit individuellen Stellenanzeigen

Artikel von Carl Ulrich Henneberg

Wer im umkämpften Fachkräftemarkt Bewerber für sich gewinnen will, muss kreativ werden. Wir zeigen, wie Sie sich mit Ihrer Stellenanzeige von der Konkurrenz abheben – und wieso man dabei auch mal über sich selbst schmunzeln darf.

Total langweiliges Möchtegern-Unternehmen für den vorbeugenden Brandschutz, Chef inkompetent und planlos, sucht für anspruchslose Kleinprojekte unkreative, unmotivierte Grantler und Taugenichtse.“ So beginnt die Stellenanzeige einer niederbayerischen Brandschutzfirma. Nachdem der Geschäftsführer zwei Jahre lang erfolglos nach Fachkräften gesucht hatte, kam ihm die Idee für den unkonventionellen Text. Das Ergebnis von so viel Selbstironie: 25 Bewerbungen – und am Ende zwei neue Mitarbeiter.1

Der Fachkräftemangel betrifft aktuell vor allem mittelständische Unternehmen –vom Handwerksbetrieb bis zur Apotheke. 107 Tage hat es im letzten Jahr durchschnittlich gedauert, eine offene Stelle zu besetzen.2 Den Wettbewerb um die passenden Mitarbeiter gewinnen nur die Arbeitgeber, die sich von Anfang an von der Konkurrenz abheben. Das Beispiel der Firma aus Niederbayern zeigt: Eine kreative Stellenanzeige kann der Schlüssel zum Erfolg sein.

Wecken Sie Aufmerksamkeit

48  Prozent aller offenen Positionen werden über Stellenanzeigen besetzt – damit sind sie nach wie vor die erfolgreichste Maßnahme der Mitarbeitergewinnung.3 Dennoch investieren Unternehmen häufig zu wenig Zeit und Mühe in die Ausschreibung. Laut einer Studie des Karrierenetzwerks Absolventa empfinden 85  Prozent der potenziellen Bewerber die meisten Stellenanzeigen als austauschbar.4 Als Grund nennen sie vor allem die immer gleichen Begrifflichkeiten: Phrasen wie „freundliche Arbeitsatmosphäre“, „flache Hierarchie“ und „marktübliches Gehalt“ sprechen jeden und damit niemanden an – sie gehen schlicht in der Masse unter.

Wie muss die Stellenanzeige also aussehen, um Bewerber für Ihre Apotheke zu begeistern? Im ersten Schritt geht es darum, die Aufmerksamkeit geeigneter Kandidaten zu gewinnen. Ein Beispiel: Der US-Konzern Microsoft verschlüsselte in der Stellenanzeige für einen Softwareentwickler eine Telefonnummer als mathematische Formel, die nur ein Bewerber mit den gewünschten Fähigkeiten verstehen konnte. Der Claim der Anzeige lautete: „Problemlöser gesucht! Rufen Sie diese Nummer an.“ So sprach der US-Konzern direkt die Bewerber an, die für den Job geeignet waren – und weckte in ihnen den Wunsch, das Rätsel zu lösen. Brainstormen Sie in Ihrem Team: Gibt es etwas Vergleichbares im Apothekenkontext – Fachbegriffe, Abkürzungen, chemische Zusammensetzungen – die nur Apotheker oder PTA verstehen? Überlegen Sie zudem gemeinsam, was Ihre Apotheke auszeichnet. Wo sehen Ihre Kollegen Unterschiede zu anderen Arbeitgebern? Haben Sie einen Leitgedanken, den das Team gemeinsam trägt? Nutzen Sie diese Gedanken, um in Ihrer Anzeige einen einzigartigen, humorvollen oder persönlichen Einstieg zu schaffen, der potenzielle Kandidaten anspricht.

Formulieren Sie Anforderungen konkret

Laut der Absolventa-Studie gibt es bei Stellenanzeigen ein gravierendes Kommunikationsproblem zwischen Arbeitgebern und Kandidaten. 83 Prozent der potenziellen Bewerber verstehen meist nicht, was im Rahmen der Ausschreibung von ihnen erwartet wird.4 Ein Tipp: Werden Sie konkret. Der Leser sollte nicht nur sofort erkennen, wen Sie suchen – eine Filialleitung, eine PTA für den HV, Unterstützung in der Rezeptur – sondern auch, welche Fähigkeiten man braucht. Machen Sie sich beispielsweise Gedanken darüber, was der Begriff „teamfähig“ für Sie bedeutet. Soll sich der neue Mitarbeiter harmonisch in das bestehende Team einfügen und bei Entscheidungsprozessen eher eine untergeordnete Rolle spielen? Oder brauchen Sie eine starke Persönlichkeit, die ihre Kollegen anleitet? Indem Sie Ihre Anforderungen gezielt formulieren, vermeiden Sie auch, dass sich unqualifizierte Kräfte bewerben – so ersparen Sie sich und den Kandidaten Zeit und Nerven.

89  Prozent der befragten Berufseinsteiger sind außerdem der Meinung, dass Arbeitgeber in ihren Anzeigen kein authentisches Bild von sich vermitteln.4 Natürlich sollten Sie in Ihrer Stellenanzeige die positiven Seiten Ihrer Apotheke hervorheben, aber bleiben Sie realistisch. Ein Kindergarten punktete hier mit gnadenloser Ehrlichkeit. Seine Anforderungen an die Erzieher: „Sie arbeiten gerne bei 300 Dezibel, also der Lärmkulisse eines Düsenjets“, „Sie beherrschen das Wort ‚Nein!‘ in 24 Sprachen“ und „Ihre Knochen verkraften permanentes Krabbeln, Hocken auf Zwergenstühlen und Stemmen von pummeligen Fünfjährigen.“ Selbst, wenn Sie Ihre Stellenanzeige nicht ganz so drastisch formulieren: Ein Arbeitgeber, der offen ist, die Aufgaben der ausgeschriebenen Stelle realistisch einschätzt und auch mal über sich selbst schmunzeln kann, hebt sich von der Masse ab – und kommt bei Bewerbern gut an.

Laden Sie sich hier eine Checkliste für Ihre Stellenanzeige herunter

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Leitung: Christian Hutter
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1www.spiegel.de/spiegel/stellenanzeige-ein-unternehmer-sucht-nach-taugenichtsen-a-1201160.html
2 www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article189646203/Arbeitsmarkt-Der-Umgang-mit-dem-Fachkraeftemangel-gefaehrdet-den-Mittelstand.html
3 anzeigendaten.index.de/presse/neue-studie-von-index-ohne-stellenanzeigen-bleibt-jede-zweite-offene-position-in-unternehmen-unbesetzt/
4 crosswater-job-guide.com/archives/57517/
jeweils letzter Zugriff: 7.10.2019

Fotos: Fotos: istock.com/real444(2)

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