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Stark, stärker, Stimme

Interview mit Logopädin Dagmar Karrasch

Hoher Lärmpegel in der Offizin, hustende Patienten am HV, trockene Heizungsluft – Ihre Stimme ist im Dauerstress. Aber wer sie bewusst einsetzt und gut pflegt, verfügt über ein mächtiges Werkzeug, sagt Logopädin Dagmar Karrasch.

selfmedic: Frau Karrasch, gelten Apotheker und PTA als Berufssprecher?
Dagmar Karrasch: Durchaus. Schließlich müssen die Mitarbeiter bei der Beratung viel reden und nutzen ihre Stimme jeden Tag mehrere Stunden. Sich dessen bewusst zu sein, ist ein wichtiger Schritt, um einer Stimmstörung vorzubeugen.

selfmedic: Meinen Sie mit einer Stimmstörung, dass die Stimme komplett wegbleibt?
Dagmar Karrasch: Klingt die Stimme gar nicht mehr, ist die Störung schon fortgeschritten. Den Beginn markieren in der Regel Heiserkeit und Rauheit. Wir haben das Gefühl eines Fremdkörpers im Hals- und Rachenbereich, obwohl da eigentlich gar nichts ist. Das äußert sich meist durch einen Räusperzwang. Meistens ist der Grund dafür eine sogenannte Überspannung. Das ist nicht unüblich und auch nicht schlimm. Nur sollte man dann etwas tun, um das Entstehen einer ernsthaften Störung zu vermeiden.

selfmedic: Wie entsteht so eine Stimmstörung?
Dagmar Karrasch: Oft sind die Faktoren einer Stimmstörung multifaktoriell. Eine schwache Stimme kann genetisch bedingt sein oder durch äußere Umstände beeinflusst. Wenn es laut ist, Keime durch die Luft schwirren und die Heizung für Trockenheit sorgt, ist die Stimme anfälliger. Häufig sind die Faktoren aber habitueller und manchmal psychogener Natur.

selfmedic: Das heißt, wir gewöhnen uns Störungen an?
Dagmar Karrasch: Genau. Häufig sprechen wir in einer Stimmlage, die nicht unserer eigenen entspricht. Das passiert auch bei der Beratung in der Apotheke. Die Mitarbeiter passen sich der Stimmlage des Kunden an und artikulieren ähnlich. Außerdem spricht man generell etwas höher, wenn man freundlich sein möchte. Die persönliche Stimmlage findet man am besten, wenn man sich in gewohnter Umgebung unterhält. Mein Tipp: Nehmen Sie Ihre Stimme auf und hören Sie sich die Aufnahme hin und wieder an, um ein Gespür für Ihre Tonlage zu bekommen. Denn eine unnatürliche Sprechweise belastet unsere Stimme.

selfmedic: Welche Rolle spielt Stress für die Stimmgesundheit?
Dagmar Karrasch: Stress ist einer der psychogenen Faktoren. Hoher Druck, starke Arbeitsbelastung sowie eine schlechte Stimmung im Team können zu Verspannung und einem höheren Muskeltonus führen. Das kann sich auf Dauer durchaus negativ auf die Stimme auswirken.

selfmedic: Was können Apothekenmitarbeiter tun, damit ihre Stimme allem standhält?
Dagmar Karrasch: Generell gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Die Stimme braucht vor allem funktionierende Muskeln und intakte Schleimhäute. Der Stimmmuskel muss aufgewärmt werden, ähnlich wie die Beinmuskulatur vor einer sportlichen Tätigkeit. Bevor man also in der Apotheke berät, sollte man in einem ruhigen Umfeld ein paar Worte sprechen. Hier bieten sich Sprechübungen an, aber auch das Mitsingen von bekannten Liedern während der Autofahrt funktioniert gut. Die Schleimhäute pflegen wir am besten, indem wir durch die Nase atmen, ausreichend trinken und Halspastillen lutschen. Der Speichel und das Schlucken unterstützen die Regeneration – auch in den kurzen Pausen zwischen den Beratungen.

selfmedic: Gibt es weitere Möglichkeiten, um die Stimme auch während der Arbeit zu schonen?
Dagmar Karrasch: Prüfen Sie zum einen immer wieder, ob Sie noch in Ihrer eigenen Stimmlage sprechen. Zum anderen sollten Sie nicht zu laut reden, auch wenn der Umgebungslärm in der Apotheke manchmal hoch ist. Dann lieber deutlicher artikulieren sowie das Tempo herausnehmen. Und: nebenbei genügend trinken.

selfmedic: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Karrasch.

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