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Ernten, was man sät

von Carl Ulrich Henneberg

Führungspositionen haben einen schweren Stand – vor allem bei jüngeren Mitarbeitern. Um das zu ändern, brauchen Chefs die richtige Taktik.


Fotos: istock.com/Dar1930

Was haben Fußball-Bundestrainer Joachim Löw und die Geschäftsführung eines Unternehmens gemeinsam? Beide leiten ein Team, wollen das Beste aus ihm herausholen und es zum Erfolg führen. Beide leisten Führungsarbeit, nur eben mit anderen Zielen und Methoden. Der große Unterschied: Während sich fast alle Fußballfans den Job des Bundestrainers zumindest vorstellen können, suchen Unternehmen händeringend nach Nachwuchskräften. Eine Umfrage der Boston Consulting Group zeigt: Nur sieben Prozent der Deutschen streben in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Führungsposition an.1 Dabei bilden Apotheken keine Ausnahme. Auch hier sinkt die Bereitschaft, etwa die Leitung am HV oder gar die einer Filiale zu übernehmen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Gleichzeitig können Kicker und Kaufleute auch voneinander lernen: Auf dem Platz schaffen es Trainer wie Jogi Löw immer wieder, ihre Jungs (oder Mädels) zu motivieren, sie auf Gegner einzustellen und ihre Taktik zu kommunizieren. Daran muss sich die Apothekenleitung messen lassen: „Führungskräfte müssen heute ihre Mitarbeiter inspirieren, Spaß an der Arbeit vermitteln und auf Augenhöhe ihre Ziele kommunizieren. Das erfordert Empathie, Neugierde und – gerade in unserer digitalen Welt – auch Mut zur ständigen Veränderung“, sagt Barbara Liebermeister. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Buchautorin ist Gründerin und Leiterin des Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ) in Frankfurt und sprach etwa auf dem „12. BVDA-Kooperationsgipfel im Pharmamarkt“ in München über Themen wie Mitarbeiterbegeisterung und Führungskräfte-Entwicklung. Sie macht klar: Bei Führung sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen – gerade im digitalen Zeitalter – sonst gerät das Unternehmen schnell ins Abseits.

Reines Delegationsmanagement von oben nach unten und permanente Kontrolle gehören der Vergangenheit an. Sie zeugen von Misstrauen und schaffen wenig Wohlgefühl am Arbeitsplatz. Stattdessen treiben ganz andere Faktoren die Mitarbeiter an: wahrgenommene Selbstbestimmung, Selbstständigkeit, Freiräume, Vertrauen, emotionale Unterstützung, die Kommunikation klarer Ziele und eine eindeutige Rollenverteilung. Im digitalen Zeitalter ist der Faktor Mensch wichtiger denn je für den Erfolg eines Unternehmens.2

Führungskompetenz bedeutet heute auch: digitale Transformationen und Geschäftsmodelle vorantreiben. In der Apotheke sind das etwa neue Dienstleistungen wie ein elektronischer Medikationsplan oder ein überzeugender Social-Media-Auftritt. „Chefs müssen sich unserer neuen, digitalen Welt bewusst sein. Ein Unternehmen muss heute ,sexy‘ sein“, sagt Barbara Liebermeister und rät daher: „Fragen Sie doch mal bei den Digital Natives Ihrer Apotheke nach – also die nach 1990 Geborenen –, welche Vorschläge oder Ideen ihnen zu der eigenen Generation als den zukünftigen Kunden einfallen. Das erleichtert Ihnen als Führungskraft die Arbeit, bringt neue Blickwinkel und die Mitarbeiter erkennen: In der Apotheke ist ein Team auf dem Spielfeld.“

Barbara Liebermeister ist Autorin und berät Unternehmen
zu Digital Leadership und Aufbau von strategischen Netzwerken.

Platzhirschgehabe adieu!

Manuel Neuer im Sturm und Thomas Müller in der Verteidigung? Was für Trainer Löw nicht vorstellbar wäre, sollte auch im HV-Team selbstverständlich sein: Kennen Sie die Talente Ihrer Teammitglieder? Wissen Sie, was jeder Einzelne braucht, um optimale Leistung zu erbringen und dabei auch noch Spaß an der Arbeit zu haben? „Gefragt sind heute mehr denn je Fähigkeiten, die darauf abzielen, die Intelligenz des Kollektivs zu aktivieren“, sagt Florian Feltes, Gründer des Startups Zortify und Professor für Digital Leadership an der XU University in Potsdam. „Wie im Mannschaftssport ist in der modernen Führungswelt kein Raum mehr für Platzhirschgehabe.“ Die gute Nachricht: Diese Art der Führung kann man lernen.

Florian Feltes arbeitet mit verschiedensten Unternehmen daran, eine neue Führungskultur zu etablieren. Dabei erlebt er häufig, dass in der Praxis steile Machtgefälle und starre hierarchische Strukturen vorherrschen. Er sieht darin durchaus einen Grund, warum viele der leitenden Positionen mittlerweile so schwierig zu besetzen sind und erklärt daher: „Harte Entscheidung­en treffen, sich durchsetzen können, keine Rücksicht nehmen – dieses althergebrachte Führungs-image schreckt viele Vertreter der jüngeren Generationen ab.“

Die vermeintliche Führungsriege der Zukunft, die Generation Z, legt weniger Wert auf Statussymbole und sucht vielmehr nach Freiheit, Individualität und Flexibilität. Für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz spielen vor allem ein respektvoller Umgang miteinander (93,2 Prozent) und Anerkennung für die geleistete Arbeit (87,1 Prozent) eine wichtige Rolle.3 Um Führungsaufgaben für die jüngeren Mitarbeiter attraktiv zu machen, müssen daher die starren Strukturen aufgelockert und mehr Freiheiten etwa bei der Umsetzung von Ideen geschaffen werden, sagt Feltes.

Prof. Dr. Florian Feltes ist Gründer des KI-Start-ups Zortify. Er forscht, lehrt und
berät rund um Leadership und Veränderungsprozesse.

Keine Frage von Macht und Geld

Führung schmackhaft zu machen ist demnach keine Frage von Macht und Gehaltserhöhungen. Klar, auch jüngere Generationen müssen ihre Miete bezahlen. Statt monatlich ein paar Euro mehr auf dem Gehaltszettel zu haben, bieten sich für sie aber eher Bonussysteme an (siehe unten). Die zusätzliche Vergütung in Form eines Sachbezugsystems passt perfekt zu diesem Lebensstil.

Vor allem aber zählt es, gute Vorbilder zu haben. Chefs sollten den Mitarbeitern Werte vorleben wie Hilfsbereitschaft, Eigeninitiative, Gewissenhaftigkeit und Flexibilität. Besonders aber sollten sie Interesse an ihren Mitarbeitern zeigen. Feltes betont: „Wer kein wirkliches Interesse an Menschen hat, sollte auch keine Führungskraft werden.“ Dass dieser Aspekt häufig wenig Beachtung bekommt, bemerkt auch Barbara Liebermeister: „Führungskräfte werden häufig diejenigen, die Fachexperten sind und einen Schritt auf der Karriereleiter nach oben klettern wollen. ‚Führen können‘ spielt dabei meist keine Rolle.“

Führungsaufgaben klar definieren

Umso wichtiger ist es, das Handwerkszeug für motivierende und zeitgemäße Führung zu erlernen. Bei der Thomae-Akademie unterstützt Gracia Thum als Referentin vor allem Frauen dabei, eine Führungsrolle in der Apotheke zu übernehmen und sich damit wohlzufühlen. Schließlich liegt der Anteil der beschäftigten Frauen in Apotheken bei knapp 90 Prozent.4

Wie wichtig die Ausbildung zur Führungskraft ist, zeigen ihr die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen bei ihren Seminaren: „Einige Frauen haben uns gesagt, dass ihnen viel Ärger erspart geblieben wäre, hätten sie schon früher ein passendes Seminar besucht. Für Apothekenleiter ist daher besonders wichtig, in die Ausbildung der Führungspersönlichkeit zu investieren. Ich erlebe häufig, dass gerade Filialleiter und -leiterinnen mit den Aufgaben allein gelassen werden und sie sich dadurch verloren fühlen.“ Ob bei der Leitung am HV, im Einkauf oder einer Filiale: Die Rolle muss klar definiert sein. Wie weit reicht die Verantwortung? Was wird von der Führungskraft erwartet? Erst wenn der Rahmen abgesteckt und dem Team gegenüber transparent kommuniziert ist, kann die Führungsarbeit beginnen.

Gracia Thum trainiert für die Thomae-Akademie Apothekenmitarbeiter in Persönlichkeitsentwicklung,
Work-Life-Balance und Führung.

Sich selbst führen

Vor allem dann, wenn die neue Führungsposition einen Rollenwechsel innerhalb der Apotheke mit sich bringt, kommt es zu Herausforderungen: Bisherige Kollegen stehen plötzlich nicht mehr auf derselben Stufe, die neue Leitung muss Entscheidungen treffen, Konflikte lösen und Aufgaben verteilen. Dass man sich damit nicht immer bei allen beliebt macht, muss klar sein. „Bleiben Sie ehrlich zu sich selbst“, rät Gracia Thum. „Es geht nicht darum, immer perfekt zu sein, sondern authentisch zu bleiben.“

Auf sich und die eigenen Bedürfnisse zu achten, gerät jedoch oft in den Hintergrund. Das sorgt dafür, dass sich 64 Prozent der deutschen Führungskräfte häufig gestresst fühlen und 34 Prozent mit ihren Aufgaben überfordert sind.5

Daher gilt: Andere zu führen beginnt damit, sich selbst zu führen. Gracia Thum nutzt eine Metapher, um das zu unterstreichen: „Bei einem Notfall in einem Flugzeug kann ich anderen nur helfen, wenn ich zuerst an mich denke und mir selbst die Atemmaske aufsetze. Und genau so funktioniert es bei der Arbeit auch. Ich kann nur dann gut führen, wenn ich mich selbst wohlfühle.“


Fotos: freepik.com

Das schmeckt

Geld ist nicht alles, aber meistens doch ganz nützlich. Mit diesen steuerfreien Sachbezügen begeistern Sie Ihre Mitarbeiter bargeldlos.

Unbegrenzte Kostenübernahme
  • Kinderbetreung
  • Kita und Kindergarten

Zuschüsse
  • privater PC, Firmenfahrrad
  • Fahrtgeld, betriebliche Krankenversicherung und Altersvorsorge

Geldwerte pro Monat
  • 94,95 Euro für Essen
  • 50 Euro Internetpauschale
  • 44 Euro Sachbezug

Geldwerte pro Jahr
  • 40 Euro Garagenpauschale
  • 156 Euro Erholungsbeihilfe



Seminartipp: Frauen in der Führungsrolle

Lernen Sie als Apothekerin an den beiden Seminartagen, Ihre Führungsqualitäten auszubauen. Von Führung, über Achtsamkeit bis Kommunikation erhalten Sie wertvolle Tipps für Ihre Aufgabe als Führungskraft.
Leitung: Gracia Thum, Doris Nelskamp, Dr. Reinhild Lohmann, Beate Löffler
Nächste Termine: 18./19. September 2020 in Berlin; 26./27. März 2021 in Berlin
Jetzt zum Seminar "Frauen in der Führungsrolle" anmelden


1www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/boston-consulting-group-fuehrung-unter-mitarbeitern-nicht-mehr-gefragt-a-1287950.html
2Kienbaum & StepStone Leadership Survey 2018
3http://www.joy-academy.tv.joy-coalition.org/Akademie/Gluckliche_Firmen_files/studie_gluck_am_arbeitsplatz.pdf
4www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/ZDF/ZDF_2019/ABDA_ZDF_2019_Brosch.pdf
5www.spiegel.de/karriere/karriere-viele-arbeitnehmer-wollen-nicht-ins-management-a-1287969.html; letzter Zugriff: 13.8.2020

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