Das Informations- & Fortbildungsportal für Apotheken Sanofi
Menü

Rituale - Immer wieder sinnvoll

Artikel von Carl Ulrich Henneberg

Rituale begleiten uns das gesamte Leben lang. Wir erklären, warum sie unser Miteinander stärken und wie sie ein wertvoller Teil des Apothekenalltags werden können.

Wiederkehrende Abläufe schenken uns Sicherheit und strukturieren unser Leben. So feiern wir jährlich unseren Geburtstag und freuen uns auf das Festessen an Weihnachten. Diplom-Psychologe Professor Dr. Jan Weinhold hat sich über zwölf Jahre lang mit Ritualdynamik beschäftigt. Er sagt: „Rituale geben Orientierung. Sie stiften Gemeinschaft und machen lebensweltliche Übergänge einfacher. Durch die Taufe oder eine Abschlussfeier wird zum Beispiel ein neuer Lebensabschnitt markiert.“

Nicht nur einfach so

Rituale sind Handlungen, bei denen man etwas Bestimmtes zeigt – zum Beispiel Gruppenzugehörigkeit oder Macht. Außerdem haben sie im Gegensatz zu Gewohnheiten einen bestimmten (symbolischen) Sinn und sind nicht zweckrational. Ein Beispiel: In China verbinden morgendliche Tai-Chi-Übungen alle Teilnehmenden miteinander – die gesellschaftliche Stellung ist in diesem Moment egal.1 Der Fokus von Ritualen liegt also nicht nur auf den Festivitäten selbst, sondern ebenso auf der Vermittlung von sozialen sowie zeitlichen Strukturen im Alltag. Dadurch geben sie uns Sicherheit und Ruhe, schaffen aber zugleich eine gewisse Art von Ordnung. Sie sind auch in emotionaler Hinsicht bedeutsam. „Im Fußballstadion dürfen wir jubeln, bei einer Trauerfeier dürfen wir weinen. Das gibt uns die psychologische Sicherheit, offen Gefühle zu zeigen“, erklärt Prof. Dr. Weinhold. Auch für Ihren Apothekenalltag können Sie sich einige Vorteile von Ritualen abschauen. Hier arbeitet eine Gruppe von Menschen zusammen, die unterschiedliche Rollen ausübt. Rituale symbolisieren Zugehörigkeit: Das Team kann ausdrücken, wie es sich sieht und welche Rolle jeder Einzelne in der Gruppe spielt. 

Auf individuelle Bedürfnisse achten

Bei der Einführung „neuer“ Rituale rät Prof. Dr. Weinhold zur Vorsicht: „Rituale als Ausdruck einer Organisationskultur sollten vorsichtig ‚verschrieben’ werden, sonst kommt es zu potenziellen Widerständen. Zunächst sollte man überprüfen, ob im Team ein Bewusstsein für Rituale besteht.“ Dabei macht es Sinn, die allgemeine Bedürfnislage und Zeitstruktur der Mitarbeiter zu beleuchten. Denn die Bedürfnisse jedes Einzelnen müssen berücksichtigt werden, um sinnstiftend positive Emotionen bei den Mitarbeitern hervorzurufen. Im Arbeitskontext sollte der Teamleiter jedes Mitglied deshalb mit kleinen Ritualen wertschätzen, zum Beispiel mit Blumen zum Geburtstag. Dann können Sie zusammen wiederkehrende Erlebnisse schaffen (beispielsweise gemeinsame Yoga-Stunden). Prof. Dr. Weinhold hat einen weiteren Tipp: „Entscheiden Sie ganz einfach im Team, worauf Sie Lust haben. Freiwilligkeit und Verständnis sind wichtiger als gezwungene Treffen, die das komplette Gegenteil von Gruppenzusammenhalt bewirken.

Prof. Dr. Jan Weinhold
Prof. Dr. Jan Weinhold ist Professor für Beratungspsychologie und Coaching. Von 2002 bis 2013 hat er an der Universität Heidelberg im Bereich „Ritualdynamik“ geforscht.

Hierarchien und Apothekerkittel ablegen

Der Mensch ist ja bekanntlich ein echtes Gewohnheitstier. Prof. Dr. Weinhold empfiehlt deshalb: „Parallel zu jahreszyklischen Ritualen wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten bietet es sich zum Beispiel an, gemeinsame Teamessen zu organisieren.“ Aber bitte entspannt, am besten außerhalb der Offizin sowie ohne Arbeitskleidung. „Rollen und Hierarchien sind dann nicht mehr allzu starr“, erklärt der Psychologe. Diese lockere Umgebung trägt zu einem Gefühl von Zugehörigkeit und Wertschätzung bei – die Grundlagen für ein funktionierendes Team.

3 Tipps für Rituale im Apothekenalltag

1. Pausen-Schwatz

Der gemeinsame Kaffee mit der Kollegin, das kurze Scherzen im Backoffice – besonders die kleinen Dingen sind für die Unternehmenskultur bedeutend. Das betrifft vor allem das Gespräch zwischen Leitung und Angestellten.
Turnus: bei jeder Gelegenheit

Ziel: Es sind weniger die gesagten Inhalte von Bedeutung, sondern der Symbolcharakter. Das schafft emotionale Sicherheit und vermittelt Rollenstrukturen im Arbeitsumfeld. Der Chef kann etwa individuelle Fähigkeiten wertschätzen und erhält im Gegenzug wertvolles Feedback.


2. Gemeinsames Frühstück
Die Apothekenleitung spendiert dem Team ein gemeinsames Frühstück. Das muss nicht zwangsläufig die Leitung organisieren. Die Planung können abwechselnd Mitarbeiter-Teams von zwei bis drei Personen planen. Bestenfalls sollte vom Chef für das Frühstück ein Slot von mindestens einer Stunde Arbeitszeit zur Verfügung gestellt werden.
Turnus: monatlich

Ziel: Wertschätzung des Apothekenteams. Die ausgelassene Atmosphäre fördert den Zusammenhalt und den Austausch untereinander, zum Beispiel über interne Abläufe.


3. Kreatives Team-Meeting

Jeder Mitarbeiter hat ein einzigartiges Profil an Wissen und Erfahrungen. Deshalb macht es bei Teammeetings Sinn, alle Angestellten zu Wort kommen zu lassen. Gestalten Sie etwa eine gemeinsame Collage, um Anmerkungen und Probleme im Apothekenalltag zu visualisieren.

Turnus: mindestens alle zwei Monate
Ziel: Die wiederkehrenden Treffen vermitteln das Gefühl von Sicherheit, indem sie zum Beispiel Handlungsanweisungen für Beratungssituationen liefern und bestimmte Prozesse verbessern.

1 www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13428523/Die-unheimliche-Macht-der-Rituale.html; letzter Zugriff: 26.8.2019

Bildnachweise: istock.com/pictore; Timo Volz für Sanofi

Webinartipp: Konflikte im Team bewältigen und lösen

Ein harmonisches Miteinander, gegenseitige Unterstützung, Toleranz, Hilfe und Anerkennung wünscht sich jeder. Gute Teams müssen aber auch Konflikte erkennen und dazu stehen. Welche Strategien sich bei welchen Problemen anbieten, erfahren Sie kurz und knapp in diesem Webinar,
Leitung: Klaus Holling
Nächster Termin: 26. September
Dauer: 60 Minuten: 20.00 - 21.00 Uhr

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema lesen

Spannende Tipps rund um
die Apothekenwelt

Blättern Sie sich durch unsere Magazine „selfmedic“ und „pia" und bringen Sie Ihren Kunden dadurch Vorteile.

Zu unseren Magazinen
Sie. Wir. Und Ihre Apotheke.