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Mut zur Führung in der Apotheke

Artikel von Carl Ulrich Henneberg, Head of Customer Relationship & Training

Führung ist nicht nur eine Sache des Könnens, sondern vor allem des Wollens. Das Problem: Aktuell will kaum jemand, vor allem nicht die jüngeren Mitarbeiter. Um das zu ändern, brauchen Apothekenleiter die richtige Taktik

Praxistipps zum Thema Führung für aktuelle und angehende Führungskräfte in der Apotheke

Was haben Fußball-Bundestrainer Joachim Löw und die Geschäftsführung eines Unternehmens gemeinsam? Beide leiten ein Team, wollen das Beste aus ihm herausholen und es zum Erfolg führen. Beide leisten Führungsarbeit, nur eben mit anderen Zielen und Methoden. Der große Unterschied: Während sich fast alle Fußballfans den Job des Bundestrainers zumindest vorstellen können, suchen Unternehmen händeringend nach Nachwuchskräften. Eine Umfrage der Boston Consulting Group zeigt: Nur sieben Prozent der Deutschen streben in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Führungsposition an.1 Apotheken bilden da keine Ausnahme. Auch hier sinkt die Bereitschaft, etwa die HV-Leitung oder gar die Leitung einer kompletten Filiale zu übernehmen.

Führungsarbeit in der Apotheke: Der Mensch steht im Mittelpunkt

Kicker und Kaufleute können durchaus voneinander lernen: Auf dem Fußballplatz schaffen es Trainer wie Jogi Löw immer wieder, ihre Jungs (oder Mädels) zu motivieren, sie auf den Gegner einzustellen und ihre Taktik zu kommunizieren. Daran muss sich die Apothekenleitung messen lassen: „Führungskräfte müssen heute ihre Mitarbeiter inspirieren, Spaß an der Arbeit vermitteln und auf Augenhöhe ihre Ziele kommunizieren. Das erfordert Empathie, Neugierde und – gerade in unserer digitalen Welt – auch Mut zur ständigen Veränderung“, sagt Barbara Liebermeister. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Buchautorin ist Gründerin und Leiterin des Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ) in Frankfurt und spricht unter anderem auf dem „12. BVDAK-Kooperationsgipfel im Pharmamarkt“ in München über Themen wie Mitarbeiterbegeisterung und Führungskräfte-Entwicklung. Sie macht deutlich: Bei Führung sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen – gerade im digitalen Zeitalter – sonst gerät das Unternehmen schnell ins Abseits.

Barbara Liebermeister ist Autorin und berät Unternehmen zu Digital Leadership und Aufbau von strategischen Netzwerken.

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Führungskompetenz und digitale Transformation

Reines Delegationsmanagement von oben nach unten und permanente Kontrolle gehören der Vergangenheit an. Sie zeugen von Misstrauen und schaffen wenig Wohlgefühl am Arbeitsplatz. Stattdessen treiben ganz andere Faktoren die Mitarbeiter an: wahrgenommene Selbstbestimmung, Selbstständigkeit, Freiräume, Vertrauen, emotionale Unterstützung, die Kommunikation klarer Ziele und eine eindeutige Rollenverteilung. Im digitalen Zeitalter ist der Faktor Mensch wichtiger denn je für den Erfolg eines Unternehmens.2

Führungskompetenz bedeutet heute auch: digitale Transformationen und Geschäftsmodelle vorantreiben. In der Apotheke sind das etwa neue Dienstleistungen wie ein elektronischer Medikationsplan oder ein überzeugender Social-Media-Auftritt. „Chefs müssen sich unserer neuen, digitalen Welt bewusst sein. Ein Unternehmen muss heute ,sexy‘ sein“, sagt Barbara Liebermeister und rät daher: „Fragen Sie doch mal die Digital Natives in Ihrer Apotheke – also die nach 1990 Geborenen –, welche Vorschläge oder Ideen ihnen zu der eigenen Generation als den zukünftigen Kunden einfallen. Das erleichtert Ihnen als Führungskraft in der Apotheke die Arbeit, bringt neue Blickwinkel und die Mitarbeiter erkennen: In der Apotheke ist ein Team auf dem Spielfeld.

Neue Führungskultur: Respektvoller Umgang und Anerkennung sind wichtig

Kennen Sie die Talente Ihrer Teammitglieder? Wissen Sie, was jeder Einzelne braucht, um optimale Leistung zu erbringen und dabei auch noch Spaß an der Arbeit zu haben? „Gefragt sind heute mehr denn je Fähigkeiten, die darauf abzielen, die Intelligenz des Kollektivs zu aktivieren“, sagt Florian Feltes, Gründer des Start-ups Zortify und Professor für Digital Leadership an der XU University in Potsdam. „Wie im Mannschaftssport ist in der modernen Führungswelt kein Raum mehr für Platzhirschgehabe.“ Die gute Nachricht: Diese Art der Führung kann man lernen.

Prof. Dr. Florian Feltes ist Gründer des KI-Start-ups Zortify. Er forscht, lehrt und berät rund um Leadership und Veränderungsprozesse.

Die Führungsriege der Zukunft, die Generation Z, legt weniger Wert auf Statussymbole und sucht vielmehr nach Freiheit, Individualität und Flexibilität. Für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz spielen vor allem ein respektvoller Umgang miteinander (93,2 Prozent) und Anerkennung für die geleistete Arbeit (87,1 Prozent) eine wichtige Rolle.3 Um Führungsaufgaben für die jüngeren Mitarbeiter attraktiv zu machen, müssen daher starre Strukturen aufgelockert und mehr Freiheiten bei der Umsetzung von Ideen geschaffen werden, sagt Feltes.

Führungskräfte von morgen: Macht und Geld spielen eine untergeordnete Rolle

Führung schmackhaft zu machen ist demnach keine Frage von Macht und Gehaltserhöhungen. Klar, auch die jüngeren Generationen müssen ihre Miete bezahlen. Statt monatlich ein paar Euro mehr auf dem Gehaltszettel zu haben, bieten sich für sie aber eher Bonussysteme an siehe unten. Die zusätzliche Vergütung in Form eines Sachbezugsystems passt perfekt zu diesem Lebensstil. Vor allem aber zählt es, gute Vorbilder zu haben. Chefs sollten den Mitarbeitern Werte vorleben wie Hilfsbereitschaft, Eigeninitiative, Gewissenhaftigkeit und Flexibilität. Besonders aber sollten sie Interesse an ihren Mitarbeiter zeigen. Feltes betont: Wer kein wirkliches Interesse an Menschen hat, sollte auch keine Führungskraft werden.“ Dass dieser Aspekt häufig wenig Beachtung bekommt, bemerkt auch Barbara Liebermeister: „Führungskräfte werden häufig diejenigen, die Fachexperten sind und einen Schritt auf der Karriereleiter nach oben klettern wollen. ‚Führen können‘ spielt dabei meist keine Rolle.“

Führungsaufgaben klar definieren

Umso wichtiger ist es, das Handwerkszeug für motivierende und zeitgemäße Führung zu erlernen. Bei der Thomae-Akademie unterstützt Gracia Thum als Referentin vor allem Frauen dabei, eine Führungsrolle in der Apotheke zu übernehmen und sich damit wohl zu fühlen. Schließlich liegt der Anteil der beschäftigten Frauen in Apotheken bei knapp 90 Prozent.4

Bei der Thomae-Akademie trainiert Gracia Thum Apothekenmitarbeiter etwa in Persönlichkeitsentwicklung, Work-Life-Balance und Führung.

Wie wichtig die Ausbildung zur Führungskraft ist, zeigen ihr die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen bei Seminaren, etwa zum Seminar Frauen in der Führungsrolle: „Einige Frauen haben uns gesagt, dass ihnen viel Ärger erspart geblieben wäre, hätten sie schon früher ein passendes Seminar besucht. Für Apothekenleiter ist daher besonders wichtig, in die Ausbildung der Führungspersönlichkeit zu investieren. Ich erlebe häufig, dass gerade Filialleiter und -leiterinnen mit den Aufgaben allein gelassen werden und sie sich dadurch verloren fühlen.“ Ob bei der Leitung am HV, im Einkauf oder einer Filiale: Die Rolle muss klar definiert sein. Wie weit reicht die Verantwortung? Was wird von der Führungskraft erwartet? Erst wenn der Rahmen abgesteckt und dem Team gegenüber transparent kommuniziert ist, kann die Führungsarbeit beginnen.

Rollenwechsel in die Führungsposition: Sich selbst führen

Vor allem dann, wenn die neue Führungsposition einen Rollenwechsel innerhalb der Apotheke mit sich bringt, kommt es zu Herausforderungen: Bisherige Kollegen stehen plötzlich nicht mehr auf derselben Stufe, die neue Leitung muss Entscheidungen treffen, Konflikte lösen und Aufgaben verteilen. Dass man sich damit nicht immer bei allen beliebt macht, muss klar sein. „Bleiben Sie ehrlich zu sich selbst“, rät Gracia Thum. „Es geht nicht darum, immer perfekt zu sein, sondern authentisch zu bleiben.“
Auf sich und die eigenen Bedürfnisse zu achten, gerät jedoch oft in den Hintergrund. Das sorgt dafür, dass sich 64 Prozent der deutschen Führungskräfte häufig gestresst fühlen und 34 Prozent mit ihren Aufgaben überfordert sind.5

Daher gilt: Andere zu führen beginnt damit, sich selbst zu führen. Gracia Thum nutzt eine Metapher, um das zu unterstreichen: „Bei einem Notfall in einem Flugzeug kann ich anderen nur helfen, wenn ich zuerst an mich denke und mir selbst die Atemmaske aufsetze. Und genau so funktioniert es bei der Arbeit auch. Ich kann nur dann gut führen, wenn ich mich selbst wohlfühle.“

Wichtige Eigenschaften einer Führungskraft

  • Ehrlichkeit
  • Loyalität
  • Humor
  • Selbstreflexion
  • Authentisches Auftreten
  • Transparenz
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Offenheit für Neues
  • Sorgfalt

Persönlichkeitstest: Führungstypen

Welcher Führungstyp bin ich und was bedeutet das für meine Arbeit in der Apotheke?

Finden Sie es heraus. Laden Sie unseren Persönlichkeitstest Führungstypen herunter und kreuzen Sie ohne lange zu überlegen an, welche Antwort am ehesten auf Sie zutrifft. Übrigens: Sie können die Fragen auch von einem Kollegen über sich selbst beantworten lassen. Mal sehen, ob er Sie genauso einschätzt.

Seminartipp: Fit in Führung

Dieses Seminar macht „Lust auf Führung“! Sie können bereits am nächsten Tag mit ersten konkreten Maßnahmen starten. Aktivieren und stärken Sie Ihre eigenen Ressourcen und begegnen Sie souverän den Herausforderungen des Führungsalltags in der Apotheke. Die INSIGHTS®-Methode zeigt wie Sie Mitarbeiter gezielter führen, Stärken stärken und Potenziale entfalten.
Leitung: Doris Nelskamp
Termine:
10./11. September 2020, München
21./22. September 2020, Köln
02./03. November 2020, Leipzig

Jetzt zum Seminar "Fit in Führung" anmelden

1 www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/boston-consulting-group-fuehrung-unter-mitarbeitern-nicht-mehr-gefragt-a-1287950.html
2 Kienbaum & StepStone Leadership Survey 2018
3www.stepstone.de/b2b/stellenanbieter/jobboerse-stepstone/upload/studie_gluck_am_arbeitsplatz.pdf
4 www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/ZDF/ZDF_2019/ABDA_ZDF_2019_Brosch.pdf
5 www.spiegel.de/karriere/karriere-viele-arbeitnehmer-wollen-nicht-ins-management-a-1287969.html

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