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Mission Motivation: Wie Sie Ihr Apothekenteam spielerisch motivieren

Artikel von Carl Ulrich Henneberg

Arbeit macht nicht immer Spaß – kann sie aber. Und wenn die Mitarbeiter Freude an den täglichen Aufgaben haben, wirkt sich das auf den Erfolg der Apotheke aus. Doch was motiviert wirklich? Von der Kunst, sich selbst und andere zu beflügeln.

Ein Chor, Yogastunden, Biosnacks, drei Terrassen mit Grill sowie eine Flotte an Elektrofahrzeugen für die Mitarbeiter: Mit Angeboten wie diesen motiviert der Ökostrom-Anbieter „Lichtblick“ seine Angestellten – und hat es damit auf Platz eins des Rankings „Beste Benefits der deutschen Wirtschaft“ geschafft.1 Denn um Mitarbeiter zu motivieren, zählen längst nicht mehr nur die finanziellen Anreize. So sagen etwa 64 Prozent der deutschen Arbeitnehmer: Nette Kollegen und die Inhalte meiner Arbeit sind mir wichtiger als ein prall gefülltes Konto am Monatsende.2

Angebote wie bei Lichtblick sind ein Teil der sogenannten New-Work-Bewegung – einem neuen Verständnis von Arbeitsweisen im digitalen Zeitalter. Vorreiter sind die Tech-Riesen in den USA: Google begeistert seine Mitarbeiter mit Bowling-Bahnen, bei Twitter gibt es Improvisationstheater, Facebook bietet Mitarbeitern Wellness.3 Gracia Thum, Referentin der Thomae-Akademie, coacht Firmen in Sachen Work-Life-Balance und Mitarbeitermotivation. Sie sagt: „Diese Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern einen entsprechenden Rahmen, in dem sie sich rundum wohlfühlen. Die Führung vertraut darauf, dass die Leute so richtig Lust auf die Arbeit haben. Und das scheint zu funktionieren.“

Unmotivierte Mitarbeiter kosten die Apotheke Geld

Natürlich können Apotheken nicht plötzlich eine Bowling-Bahn im Keller aufbauen. Aber ein Blick auf die Methoden der Großen lohnt sich trotzdem. Denn Fakt ist: Ein unmotivierter Mitarbeiter kostet Geld: sei es durch entgangene Chancen in der Kundenberatung oder durch mangelndes Einfühlungsvermögen. Und was in der Folge noch schlimmer ist: auch der gute Ruf einer Apotheke kann darunter leider. Im Gegensatz dazu sorgt ein motivierter Mitarbeiter für mehr Umsatz und höhere Kundenzahlen.4

Viele Ansätze von Arbeitgebern, Mitarbeiter zu motivieren, gehen auf extrinsische Faktoren zurück – also diejenigen, die von außen kommen, wie Boni, Prämien oder eben ein höheres Gehalt. „Das ist die klassische Karotte, die ich jemandem vor die Nase halte, damit er läuft. Die Idee dahinter ist, mittels einer Belohnung die Mitarbeiter dazu zu bringen, sich anzustrengen“, erklärt Gracia Thum. Das kann im ersten Moment gut funktionieren. Doch langfristig gilt es, auf die intrinsische Motivation der Mitarbeiter zu setzen. Und die kommt immer dann ins Spiel, wenn die Arbeit mit Freude verbunden ist.

Motivation setzt Glückskreislauf im Gehirn in Gang

Motivation lässt sich mit dem Begriff „Motiv“, also Antrieb, und dem lateinischen Verb „movere“, bewegen, erklären. Motivation ist also der Antrieb, zu handeln. Ein persönliches Verlangen setzt dabei im Gehirn das Belohnungssystem in Gang: Ein bestimmter Auslöser generiert im limbischen System, der Emotionszentrale im Gehirn, einen Drang. An den Körper wird schließlich von der Großhirnrinde der Auftrag erteilt, diesen Drang zu stillen. Ist das passiert, entsteht durch die Aktivierung bestimmter Neuronen und die Ausschüttung von Botenstoffen wie Dopamin ein Glücksgefühl. Der Hippocampus, das Lernsystem, merkt sich das – und verlangt immer wieder nach diesem Gefühl. Ein Kreislauf beginnt.

Eine Möglichkeit, als Führungskraft diesen Kreislauf in Gang zu setzen und am Laufen zu halten, ist Wertschätzung. „Wir alle wünschen uns Anerkennung. Nicht durch finanzielle Mittel, sondern durch ein simples Lob“, sagt Gracia Thum. Das Lob kann von Kollegen kommen, am wirkungsvollsten ist es aber vom Chef. Wem das fehlt, der muss es aktiv einfordern. Gracia Thum kennt dafür einen Trick. In einem Workshop hat sie Mitarbeiter darin geschult, ihrer Führungskraft zu sagen, was sie alles gut macht. „Die Führungskräfte reagieren zuerst meist überrascht, aber freuen sich natürlich auch über positive Worte. Und mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie das Lob auch zurückgeben.“

Gracia Thum coacht seit über 25 Jahren Unternehmen zu Themen rund um die Emotionale Intelligenz und Achtsamkeit. Bei der Thomae-Akademie unterstützt sie Apotheken bei Führungsaufgaben.

Chefs sollen zuhören und Fragen stellen

Die Realität ist häufig eine andere. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer sagt: „Die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten“5 Das zeigt der Gallup Engagement Index 2018. Führungskräfte haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie motiviert ihre Mitarbeiter sind. „Auch in Zukunft braucht es Führungskräfte, die in der Lage sind, die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu erfüllen und sie zu motivieren, das Beste aus sich herauszuholen“, sagt Marco Nink vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup.5 Für Chefs heißt das: zuhören, zuhören, zuhören. Und die richtigen Fragen stellen, um zu erfahren, was ihre Mitarbeiter eigentlich wollen oder benötigen. Regelmäßige Gespräche lassen nicht nur das Stimmungsbarometer steigen – sondern auch die Freude an der Arbeit.

Eine Umfrage zeigt: Vier von fünf Fachkräften in Deutschland wünschen sich zwar flache Hierarchien im Unternehmen, wollen aber gleichzeitig nicht auf klare Anweisungen seitens ihrer Führungskräfte verzichten. Außerdem wünschen sich drei Viertel der Befragten mehr Verantwortung in ihrem Job.6 „Wenn ich Freude habe an dem, was ich mache, macht schon der Weg Spaß und das Ergebnis ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gutes“, sagt Gracia Thum. „Leistungsdruck dagegen ist ein Motivationskiller. Dann kommt nämlich Angst dazu und die Aufgabe wird zur Pflicht. Intrinsische Motivation ist so kaum mehr möglich.“

Den angeborenen Spieltrieb nutzen

Statt Leistungsdruck lieber auf Liebe zum Spielen setzen – diesen Ansatz verfolgt „Gamification“. Im beruflichen Umfeld wird dieses spielerische Lernen und Handeln immer populärer. Es soll die Motivation und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer erhöhen. Roman Rackwitz hat sich als einer der ersten in Deutschland mit dem Thema beschäftigt. Er sagt: „Spielähnliche Aktivitäten beruhen immer auf intrinsischer Motivation. Und das können wir auf alle Bereiche übertragen, in denen es um kognitive Fähigkeiten geht.“ Also auch in der Apotheke. Wichtig sei lediglich eine genaue Definition der „Mission“.

Die einfachste Regel lautet: ohne Ziel gibt es kein Spiel. So müssen bei „Mensch ärgere dich nicht“ alle Spielfiguren auf die Zielfelder gebracht werden, „Super Mario“ muss die Prinzessin retten. Überlegen Sie daher, welches Ziel aktuell wichtig in Ihrer Apotheke ist. Wollen Sie kurzfristig den Absatz bestimmter Produkte steigern, die Menge abgelaufener Produkte reduzieren oder die Kundenzahl erhöhen? All das kann eine Mission sein, auf die das Apothekenteam geschickt wird. „Benennen Sie möglichst einen Spielleiter. Das muss nicht zwingend der Chef sein. Aber er sollte den Ablauf im Blick behalten“, rät Rackwitz. Er nennt drei wichtige Bedingungen, damit spielerisches Handeln überhaupt möglich ist:

  1. Die Spieler müssen in der Lage sein, ihre Lernkurve zu erweitern.
  2. Es muss möglich sein, den Erfolg zu messen.
  3. Die Spieler müssen individuelles Feedback erhalten, möglichst in Echtzeit.
Und bevor es losgeht, müssen die Spielregeln klar und alle Informationen transparent sein, die zum Erfüllen der Mission notwendig sind.

Gamification beschäftigt Roman Rackwitz seit über zehn Jahren. Er leitet die Agentur Engaginglab und arbeitet als Enterprise Gaming Pioneer bei Centigrade GmbH.

Persönliche Lernkurve motiviert

Statt im Spielverlauf Ranglisten zu erstellen und Mitarbeiter miteinander zu vergleichen, geht es vielmehr darum, den einzelnen Mitarbeitern ihre Lernkurve aufzuzeigen. Rackwitz schlägt vor, die Daten aus dem Kassensystem zu nutzen und auf die Mitarbeiter individuell zugeschnitten in einer Tabelle zu visualisieren. „Die Erfahrung zeigt, dass viele gar nicht wussten, wie gut sie wirklich sind. Das visualisiert zu bekommen, motiviert“, erklärt Rackwitz. Besonders gut funktioniert Gamification bei neuen Lerninhalten, beispielsweise einer Inhouse-Schulung. Mit Fortschrittsanzeigen, Missionen, Checkpoints und anderen Elementen aus der Welt der Computerspiele erhalten die Teilnehmer die richtige Rückmeldung zum richtigen Zeitpunkt – und behalten die Inhalte so besser. Studien zeigen: Während herkömmliches Lernen dazu führt, dass wir uns 20  bis 30  Prozent der neu gelernten Inhalte merken, kann Gamification den Effekt bis auf 90 Prozent steigern.7

Vorsicht bei Prämiensystemen in der Apotheke

Von Prämien bei Spielende hält Rackwitz nichts. „Die Belohnung ist das Vorankommen selbst. Sobald Sie eine extrinsische Belohnung aussetzen, konzentrieren sich die Mitarbeiter nur noch auf das schnelle Erreichen des Ziels und arbeiten nicht mehr an sich selbst.“ Diese Ansicht teilt Motivations-Expertin Gracia Thum: Prämiensysteme hätten zwar zeitweilig eine deutliche Verbesserung der BWL-Kennzahlen zum Ergebnis, doch würde sich das bald nivellieren. „Viele größere Unternehmen gehen weg von Prämien und beteiligen lieber das komplette Team am Gewinn. So hat jeder ein Interesse daran, dass das Geschäft gut läuft.“

Wer hin und wieder aber doch auf Prämien setzen möchte, kann damit zielgerichtet bestimmte Mitarbeiter motivieren und Verhaltensänderungen anstoßen. Bei Einzelprämien dient etwa der Umsatz als Bezugsgröße: Mitarbeiter erhalten eine Verkaufsprämie, deren Höhe sich nach dem erzielten Barumsatz pro Kopf richtet. Alternativ kann eine Stückprämie beziehungsweise Umsatzprämie vereinbart werden, zum Beispiel ein Bonus von fünf Euro bei Verkauf eines Blutdruckmessgeräts. Allerdings können Maßnahmen wie diese das Konkurrenzdenken fördern, wodurch andere, weniger ertragreiche Arbeiten liegenbleiben. Dann macht es möglicherweise mehr Sinn, eine Teamprämie auszusprechen. Prämien für das gesamte Team können etwa darauf abzielen, den Umsatz generell zu steigern oder einen bestimmen Wert in die Höhe zu treiben. Eine Teamprämie kann zudem den Zusammenhalt stärken, wirkt aber möglicherweise motivatorisch nicht so stark auf Einzelne.

Motivation – eine Frage der Generation?

Von Baby-Boomer bis zur Generation Z: Können Einzelne überhaupt durch dieselben Maßnahmen motiviert werden oder ist das eine Frage der Generation? Rackwitz sagt in Bezug auf die spielerische Motivation: „Wir alle finden Spiele attraktiv, nur kommt es eben auf das Medium an. Während die jungen Mitarbeiter digitale Spiele bevorzugen, erreichen wir ältere wohl eher durch Brettspiele.“ Wie die Vorliebe bei Spielen ändert sich auch die Einstellung zur Arbeit je nach Lebensphase. „Ältere Mitarbeiter achten mehr auf ihre Ressourcen und benötigen mehr Anerkennung und Wertschätzung“, sagt Gracia Thum. „Jüngere dagegen muss man anders erreichen. Nicht durch Geld und Status, sondern vielmehr durch die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung.“ Etwa in Form von Seminaren.

Was einen motiviert, weiß jeder selbst am besten. „Halten Sie inne und fragen Sie sich: Was macht mir in der Arbeit wirklich Freude?“, rät Gracia Thum den Mitarbeitern. Und diese Bereiche sollten Sie nach Möglichkeit verstärken. Von Führungskräften fordert sie, in einen guten Zusammenhalt im Team zu investieren – und gute Laune zu verbreiten. Schließlich stecken Emotionen an.

Das Backoffice als Wohlfühl-Oase

Bowling-Bahnen, Wellness-Center und andere Annehmlichkeiten können Sie Ihren Mitarbeitern nicht bieten. Aber es kann schon viel helfen, das Backoffice zur Wohlfühl-Oase zu machen. Und so geht’s:


Licht

Künstliche Lichtquellen fördern die Ausschüttung von Stresshormonen. Wenn möglich, sollte das Backoffice mit Tageslicht durchflutet sein.


Farben

Vor allem Orange, Grün und Gelb vermitteln positive Emotionen, sie steigern die Lebensfreude und beruhigen. Kleine Farbakzente im Backoffice helfen den Mitarbeitern, sich wohlzufühlen.


Ruhebereich

Entspannung am Arbeitsplatz spielt eine immer größere Rolle. Bequeme Sitzgruppen zum Austausch mit Kollegen oder ein Massage-Stuhl für eine kleine Auszeit motivieren.


Pflanzen:

Zimmerpflanzen wie etwa Yucca-Palmen, Kakteen oder Gummibäume sorgen für gute Luft im Backoffice und schon ihr Anblick verbreitet laut Studien gute Stimmung. 8


1 www.capital.de/karriere/management-benefit-ranking-was-bin-ich-meiner-firma-wert?article_onepage=true
2 Bevölkerungsbefragung Arbeitsmotivation 2019, ManpowerGroup Deutschland
3 www.spendit.de/magazin/neue-ideen-braucht-das-land-wie-google-facebook-co-mitarbeiter-mit-benefits-begeistern/
4 www.iww.de/ah/apothekenfuehrung/personal-mitarbeitermotivation-mit-verstand-und-einfuehlungsvermoegen-f65145
5 www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx
6 www.presseportal.de/pm/38447/3591937
7 news.berlitz.de/gamification-im-beruf-spielend-mitarbeiter-motivieren-und-gewinnen-57whmpwqd
8 www.ecowoman.de/haus-garten/wohnen/zimmerpflanzen-und-die-wirkung-auf-menschen-pflanzen-zum-wohlfuehlen-5160

Bildnachweise: Fotos: stock.com/enot-poloskun, gorodenkoff, ilbusca, Meranna, RakicN, suman bhaumik; unsplash.com/Andrew Ruiz; privat

Seminartipp:
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Leitung: Doris Nelskamp
Termine:
20. März 2020, Leipzig
24. April 2020, Köln
07. September 2020, Berlin
26. Oktober 2020, München

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