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BWL-Grundlagen für Apotheker und Apothekerinnen von A bis Z

Für den Erfolg einer Apotheke ist sowohl das Verständnis für das aktuelle Marktgeschehen, wie auch das kaufmännische Know-how entscheidend. Richtig kalkulieren kann nur, wer auch das entsprechende Wissen über Betriebswirtschaft in der Apotheke besitzt. Wer die umfangreichen BWL-Grundlagen versteht, kann diese optimal nutzen – von Absatz über OTC bis Wareneinsatz. Wir haben hier ein kurzes BWL-Lexikon zusammengestellt.

BWL-Grundlagen kompakt zusammengefasst

A wie
Absatz:
Der Absatz bezeichnet die Gesamtanzahl der abgegebenen Produkte. Eine durchschnittliche Apotheke verkauft etwa 70.000 Packungen pro Jahr. Davon entfallen 32.000 Packungen auf verschreibungspflichtige Arzneimittel (AM), 7.000 Packungen auf rezeptfreie verordnete AM, 28.000 Packungen auf apothekenpflichtige nicht verordnete AM und 3.000 Packungen auf die freiverkäuflichen AM.

Aufschlag: Mit dem Aufschlag auf den effektiven Einkaufspreis sollen die Personal- und Sachkosten sowie der Gewinn der Apotheke abgedeckt werden. Vom Listeneinkaufspreis gehen zunächst die Einkaufsrabatte ab. Der so ermittelte effektive Einkaufspreis ist die Grundlage für den Kalkulationsaufschlag. Aus dem effektiven Einkaufspreis und dem Kalkulationsaufschlag ergibt sich der Netto-Verkaufspreis (ohne Mehrwertsteuer). Dieser Nettopreis ist Bezugsgröße für die Mehrwertsteuer (19 %). Aus dem Nettopreis plus der Mehrwertsteuer ergibt sich der vom Kunden zu bezahlende Apothekenverkaufspreis.

B wie
Bruttonutzenkennziffer:
Die Bruttonutzenkennziffer ergibt sich aus dem Kalkulationsaufschlag multipliziert mit der Umschlagshäufigkeit – und gehört ebenfalls zu den entscheidenden BWL-Grundlagen für Ihre Apotheke.

D wie
Deckungsbeitrag:
Der Deckungsbeitrag (DB) ist die Differenz zwischen Umsatz und den variablen Kosten, also der Betrag, welcher zur Deckung der Fixkosten verfügbar ist. Er wird unter anderem für die Erfolgsermittlung und die Preiskalkulation benötigt. Er hilft dem Unternehmen bei der Berechnung oder Anpassung der Preise für ihr Produkte oder ihre Dienstleistungen. Einstufigen Deckungsbeitragsrechnung: DB = Umsatz – variable Kosten. Durchschnittsbestand: Der Durchschnittsbestand ergibt sich aus dem Anfangsbestand plus Endbestand geteilt durch zwei. Bei starken monatlichen Schwankungen kann man den Durchschnittsbestand genauer aus der Addition der zwölf Monatsendbestände geteilt durch 12 ermitteln.

BWL-Lexikon für Apotheker und Apothekerinnen

F wie
Freiwahl:
Die Freiwahl ist in Apotheken das spezielle Sortiment an dem sich der Kunde „frei“ an den Regalen bedienen kann.

E wie
effektiver Einkaufspreis:
Der effektive Einkaufspreis ergibt sich aus dem Listeneinkaufspreis abzüglich dem Einkaufsrabatt.

H wie
Handelsspanne:
Die Handelsspanne (auch Marge) gibt an, wie viel Prozent vom Nettoumsatz (nach Abschlägen und Preisnachlässen ohne Mehrwertsteuer) auf den Rohertrag entfallen. Im Durchschnitt liegt die Handelsspanne mittlerweile unter 27 Prozent vom Nettoumsatz. Bei einer Handelsspanne von 27 Prozent müssen 100 Euro Mehrkosten 370 Euro Nettoumsatz (ohne Mehrwertsteuer) bringen, damit sich die zusätzlichen Kosten amortisieren. Bei einer Handelsspanne von 25 Prozent sind sogar 400 Euro zusätzliche Nettoumsätze erforderlich.

Betriebswirtschaft in der Apotheke: Richtig kalkulieren

K wie
Kontokorrent:
Kontokorrent ist keine betriebswirtschaftliche Kennzahl im eigentlichen Sinne, gehört aber dennoch zu den wichtigen BWL-Grundlagen: Es handelt sich dabei um das Geschäftskonto bei einer Bank, über das alle Zahlungen (Umsatz, Wareneinkauf, Personalkosten etc.) laufen. Wird dieses Konto überzogen, räumt die Bank einen Kontokorrentkredit bis zur Höhe des vereinbarten Limits ein. Wird das Konto noch weiter überzogen, kann bis zu der Grenze der „geduldeten Überziehung“ noch mehr Fremdkapital in Anspruch genommen werden. Jedoch fallen dann sehr hohe Überziehungszinsen an. Generell liegen die Kontokorrentzinsen über dem Niveau von langfristigen Darlehenszinsen. Deshalb ist der Kontokorrentkredit nur zur Abdeckung kurzfristiger Liquiditätsengpässe sinnvoll.

L wie
Lagerumschlag (Umschlagshäufigkeit):
Der mengenmäßige Lagerumschlag ergibt sich aus der Absatzmenge geteilt durch den Durchschnittsbestand. Die Lagerumschlagshäufigkeit gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand während eines Jahres aus dem Bestand verkauft und wieder ersetzt wurde. Betriebswirtschaftlich sinnvoller ist jedoch der wertmäßige Lagerumschlag. Dieser ergibt sich aus dem Wareneinsatz geteilt durch den durchschnittlichen Lagerwert. Mittlerweile sollte der Lagerumschlag über zehnmal pro Jahr liegen.

M wie
Mehrverkauf:
Diese betriebswirtschaftliche Kennzahl umfasst den Mehrverkauf nach einer Preissenkung. Damit rückt die Frage in den Fokus: Wie viele Packungen müssen zusätzlich verkauft werden, um eine Preissenkung um 10 Prozent zu kompensieren? Um eine Preissenkung von 10 Prozent zu kompensieren, muss die Absatzmenge demnach um 33 Prozent steigen.

N wie
Nettoumsatz:
Damit ist der Reinumsatz gemeint. Der Umsatz lässt sich als Produkt aus Absatzmenge × Preis für alle Produkte berechnen. Erlösschmälerungen wie Rabatte, Boni oder Skonti werden vom Umsatz abgezogen. Die Umsatzsteuer geht nicht mit ein — es handelt sich in der Gewinn- und Verlustrechung (GuV) um den Nettoumsatz.

BWL-Grundlagen: Wofür steht OTC?

O wie
OTC:
OTC steht für over the counter („über den Verkaufstresen“) und umfasst die vom Kunden aus eigener Tasche zu bezahlenden rezeptfreien Arzneimittel (freiverkäufliche und apothekenpflichtige Arzneimittel). Eine durchschnittliche Apotheke gibt pro Jahr etwa 28.000 OTC-Packungen zu einem Durchschnittspreis von 7,30 Euro ab. Der Stücknutzen liegt bei etwa 3,28 Euro.

Beachten Sie für die OTC–Kalkulation folgende Faustformel:
Bei preisempfindlichen OTC-Produkten: Verkaufspreis = Effektiver Einkaufspreis mal 1,5.
Für alle anderen OTC-Produkte: Verkaufspreis = Effektiver Einkaufspreis mal 2.

R wie
Rohertrag:
Der Rohertrag errechnet sich aus dem Nettoumsatz abzüglich des Wareneinsatzes (gesamtes Sortiment der Apotheke). Zieht man vom Nettoerlös eines Arzneimittels den effektiven Einkaufspreis ab, erhält man den Rohertrag pro Packung (auch Stücknutzen genannt).

Rx: Rx ist eine Abkürzung für verschreibungspflichtige Arzneimittel, die jeder im Apotheken-Team kennen sollte. Eine durchschnittliche Apotheke gibt pro Jahr etwa 32.000 Rx-Packungen ab. Der Durchschnittswert pro Rx-Packung liegt bei 37 Euro (ohne MwSt.). Der Stücknutzen liegt bei etwa 8,15 Euro, die Handelsspanne bei 22 Prozent.

S wie
Sichtwahl:
Die Sichtwahl umfasst rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel. Diese dürfen nur von pharmazeutischem Personal abgegeben werden (keine Selbstbedienung). Während der Passant das Schaufenster innerhalb eines maximalen Zeitraums von sieben Sekunden quasi scannt, betrachtet der Apothekenkunde die Sichtwahl intensiv bis zu 30 Sekunden. Befragungen ergaben, dass viele Kunden die Schaufensterdekoration primär nicht wahrnehmen, sich aber an Produkte in der Sichtwahl erinnern.

Stücknutzen: Dieser gibt an, um welchen Betrag sich der Rohertrag durch jede zusätzlich verkaufte Packung verbessert. Zieht man vom Nettoerlös eines Arzneimittels den effektiven Einkaufspreis ab, erhält man den Rohertrag pro Packung (Stücknutzen genannt). Der durchschnittliche Stücknutzen kann auch für das gesamte Sortiment ermittelt werden.

U wie
Umschlagshäufigkeit:
s. Lagerumschlag.

W wie
Wareneinsatz:
Der Wareneinsatz ergibt sich aus der Anzahl der abgegebenen Packungen bewertet mit dem effektiven Einstandspreis (ohne Mehrwertsteuer, nach Abzug von Einkaufsrabatten) – und gehört damit zweifelsohne zu den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, die Sie sich merken sollten.

Den Wareneinsatz berechnen Sie mit nachfolgender Formel:

Anfragebestand laut Inventur zum Monatsanfang
+ Wareneinkauf (ohne Mehrwertsteuer, nach Abzug der Rabatte)
- Endbestand laut Inventur zum Monatsende
__________________________________________
= Wareneinsatz

Zur Vertiefung empfehlen wir diese Fortbildungen:

Seminar: BWL: Das 1 × 1 der modernen Betriebswirtschaft in der Apotheke (Basisseminar)

Sie erhalten einen Überblick über die wirtschaftlichen Zusammenhänge in der Apotheke. Sie erfahren, auf welche Kennzahlen es ankommtund lernen die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Aspekte einer Apotheke kennen. Ihr Kosten- und Ertragsbewusstsein ist anschließend geschärft.
Referent: Dr. Wolfgang Franzen
Köln, 18.04.2023
Hamburg, 09.05.2023
Berlin, 26.09.2023
Nürnberg, 17.19.2023

Zur Anmeldung

Live-Online-Fortbildung: Betriebswirtschaftliche Grundbegriffe verständlich erklärt

Wie errechnet sich der Nettoumsatz und welche Bedeutung hat die Handelsspanne für meine Apotheke? Vom Wareneinkauf über den Rohertrag bis zum Stücknutzen erklärt der Referent in dieser Live-Online-Fortbildung alle wichtigen betriebswirtschaftlichen Begriffe an Beispielen aus dem Apothekenalltag. Zusatzinfo: Was gilt es bei Rabatten zu beachten?
Referent: Dr. Wolfgang Franzen
27.03.2023
03.07.2023

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Das 1 × 1 der modernen Betriebswirtschaft in der Apotheke (Basisseminar)

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Berlin, 26.09.2023
Nürnberg, 17.19.2023
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Referent: Dr. Wolfgang Franzen
27.03.2023
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