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Herzenssache

Stellenanzeigen, Gespräche mit Berwerbern, Einarbeitung – das kostet die Apotheke Zeit und Geld. Besser wäre es doch, die Mitarbeiter langfristig an sich zu binden. Wenn Sie attraktive Anreize schaffen und Ihr Team motivieren, wird Ihre Apotheke zu einer starken Marke.

Im gesamten Gesundheitswesen mangelt es an Fachkräften. Einer Studie zufolge fehlen 2020 bereits etwa 56.000 Ärzte und gut 140.000 nicht­ärztliche Fachkräfte in Deutschland, Tendenz steigend.1 Auch vor der Pharmabranche macht der Trend nicht Halt. Schon heute haben 39 Prozent der Apotheker Probleme bei der Stellenbesetzung durch approbierte Angestellte, 33 Prozent beim Finden qualifizierter PTA.2 „Apotheken schließen nicht, weil sie keine Kunden mehr haben. Sondern weil sie keine Mitarbeiter finden“, sagt Rolf Schmiel, Psychologe und Unternehmensberater. Das einfachste Mittel, um sich dennoch am Markt durchzusetzen: bestehende Mitarbeiter binden. Doch das gelingt nur mit der richtigen Motivation – und einer starken Arbeitgebermarke, sagt Schmiel.

Die Beweggründe für Mitarbeiter, bei einem Unternehmen zu bleiben, sind dabei durchaus vielfältig. Und – so viel sei verraten – das Gehalt allein ist nicht entscheidend. Für Motivationstrainer Schmiel steht fest: „Motivation muss immer von Innen kommen. Denn wenn jemand eine ablehnende Haltung an den Tag legt, bringt er niemals Spitzenleistung.“ Oder anders ausgedrückt: Die Mitarbeiter sollen Spaß an und bei ihrer Arbeit haben. Für Arbeitgeber bedeutet das, sie müssen ein Umfeld schaffen, in dem Mitarbeiter mit Freude an ihre Aufgaben herangehen und vor allem eine emotionale Bindung zur Apotheke aufbauen. Was zunächst simpel klingt, stellt viele Chefs in der Umsetzung vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Dabei kommt es in erster Linie auf die richtige Herangehensweise an.

Der Mitarbeiter will wahrgenommen werden

„Um die Herzen seines Personals zu erobern, bedarf es in erster Linie Wahrnehmung und Anerkennung“, sagt Schmiel. „Das sehen wir ganz deutlich am Social-Media-Phänomen: Jeder strebt nach Likes.“ Umfragen geben dem Psychologen recht. Für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz spielen besonders ein respektvoller Umgang miteinander (93,2 Prozent) und Anerkennung für geleistete Arbeit (87,1 Prozent) eine wichtige Rolle.3 Schmiel rät: „Nehmen Sie sich Zeit für den Mitarbeiter und erfahren Sie in persönlichen Gesprächen seine Bedürfnisse und Wünsche.“ Und vergessen Sie nicht, ihn zu loben. Sprüche wie „Nicht geschimpft ist gelobt genug“ haben längst ausgedient. Den Chef selbst nennt Schmiel den entscheidenden Faktor: Hat er keinen Spaß an der Arbeit oder verbreitet er schlechte Stimmung, leidet das Klima.

Und das kostet. Sieben Milliarden Euro bezahlte die deutsche Wirtschaft allein 2016 für die fehlende emotionale Bindung von Mitarbeitern gegenüber ihrem Arbeitgeber, rechnet der „Gallup Engagement Index“ vor. Die Studie zur Arbeitsplatzqualität ist eine der renommiertesten in Deutschland. Und die sieben Milliarden Euro sind nur die Kosten durch Fehlzeiten von Mitarbeitern, die nicht mit dem Herz bei der Arbeit waren.4 Im Gegensatz dazu rechnet sich die richtige Mitarbeitermotivation gleich dreifach: Wer zufrieden mit dem Unternehmen ist, zeigt mehr Eigeninitiative, bringt bessere Leistung und weist sogar mehr Verantwortungsbewusstsein für den Arbeitgeber auf.

Es gibt genug Alternativen zu Gehaltserhöhungen

Nicht an vorderster Stelle, aber mit 81,7 Prozent immerhin auf Platz drei der Zufriedenheitsfaktoren von Mitarbeitern ist die Vergütung.4 Durch die Tarifbindung haben Apothekenleiter jedoch wenig Spielraum bei individuellen Gehaltserhöhungen. Das muss allerdings kein Nachteil sein. Rein rechnerisch ist ein höheres Gehalt ohnehin nicht immer sinnvoll. Dennis Meurer, Geschäftsführer bei der Investwerk, die Unternehmen in Sachen Benefits und Vergütungen berät, rechnet vor: „Bei einer Gehaltserhöhung um 100 Euro Brutto, bleiben am Ende rund 50 Euro Netto für den Mitarbeiter und der Arbeitgeber zahlt 120 Euro mit den Lohnnebenkosten.“ Meurer rät deshalb zu alternativen Bonus- und Vergütungssystemen, die gerade für kleinere Betriebe eine gute Möglichkeit darstellen, die fehlende Flexibilität bei Gehaltsfragen wettzumachen. Meurer sagt: „Es zählt für Arbeitnehmer längst nicht mehr nur der reine Bruttobetrag, hier spielen Zusatzleistungen über verschiedene Sachbezüge eine wichtige Rolle. Auf beiden Seiten beliebt ist alles, was es steuer- und sozialabgabenfrei gibt.“

Die rechtlichen Möglichkeiten hierfür sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen: Von Beiträgen zur Altersvorsorge über Zuschüsse beim Essen bis hin zur Prepaid-Kreditkarte mit einem monatlichen steuerfreien Bonus. Je mehr Leistungen eine Apotheke dabei anbietet, desto attraktiver kann sie für Arbeitnehmer sein. Bereits viele Unternehmen in Deutschland haben diesen Trend erkannt und wollen 2019 das Budget für solche Vergütungen um 25 Prozent erhöhen.

Individuelle Boni motivieren mehr

Die Vergütungen abseits des Gehaltszettels sind ein relativ neuer Trend, der sich besonders in der jüngeren Generation etabliert. Sie legt mehr Wert auf Flexibilität und Individualität als etwa auf Statussymbole. Die zusätzliche Vergütung durch ein Sachbezugsystem passt perfekt zu dem neuen Lebensstil. In Bezug darauf rät Meurer zu Prepaid-Kreditkarten: „Der Arbeitgeber lädt die Karte mit bis zu 44 Euro im Monat auf und kann sie für Sonderzahlungen nutzen, und der Mitarbeiter bezahlt damit wann und wo er möchte. Nur Bargeld bekommt er nicht. Das Beste: Die Zuwendung ist steuer- und sozialabgabenfrei – ein Gewinn für beide Seiten.“

Außerdem lässt sich die Karte mit dem Logo der Apotheke bedrucken. Das sorgt subtil für Identifikation mit dem Unternehmen und ist zudem werbewirksam. Für echte Motivation und das gute Gefühl beim richtigen Arbeitgeber zu sein, ist nicht immer bares Geld nötig. Auch Fortbildungen, Teamevents und ein gutes Arbeitsklima tragen zur Mitarbeiterbindung bei.

Aber Achtung: „Vermeiden Sie einen plötzlichen Rundumschlag. Bei zu vielen neuen Vergünstigungen auf einmal nimmt der Mitarbeiter die Wertschätzung nicht mehr richtig wahr“, gibt Dennis Meurer von Investwerk zu bedenken. Auch Psychologe Rolf Schmiel rät, klein anzufangen: „Lernen Sie als Führungskraft zunächst, sich selbst und Ihre Leistung wertzuschätzen.“ In einem Punkt sind sich die Experten einig: Echtes Interesse am Mitarbeiter sorgt für die höchste Motivation. Bevor Sie also vorschnell handeln und Maßnahmen in die Wege leiten, die gar nicht zu ihrem Personal passen – fragen Sie einfach nach. Am Ende profitiert nicht der Mitarbeiter allein, sondern vor allem Ihre Apotheke.

Übersicht „Steuerfreie Sachbezüge“ & Download-Tipp

1 www.pwc.de/de/gesundheitswesen-und-pharma/assets/fachkraeftemangel.pdf
2 www.ifhkoeln.de/fileadmin/pressreleases/2018/180702-APOkix-Apothekenpersonal-Fachkraeftemangel-sorgt-fuer-Probleme-bei-der-Stellenbesetzung.pdf
3 www.stepstone.de/b2b/stellenanbieter/jobboerse-stepstone/upload/studie_gluck_am_arbeitsplatz.pdf
4 www.m-vg.de/mediafiles/Leseprobe/9783868817065.pdf
Fotos: istock.com/imacon, olnik_y, Suradech14; Steffi Atze

Autor: Carl Ulrich Henneberg

Seminartipp: Prämiensystem für Mitarbeiter

Ohne motivierte Mitarbeiter kein Erfolg. Im Seminar der Thomae-Akademie lernen Sie, wie Sie Ihre Mitarbeiter durch verschiedene Leistungsanreize und eine sinnvolle Gehaltskopplung anspornen. Dabei behalten Sie stets das Kundenwohl, das Betriebsklima und den Gewinn im Blick.
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Termine: Do. 14.03.19: 9.00 – 16.30 Uhr, Düsseldorf | Di. 30.04.19: 9.00 – 16.30 Uhr, Dresden | Di. 06.08.19: 9.00 – 16.30 Uhr, Berlin | Di. 05.11.19: 9.00 – 16.30 Uhr, München
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