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Loyal, begeisterungsfähig und eben ganz Frau

Weibliche Teams führen

Gibt es Kriterien für den Erfolg reiner Frauenteams? Zwei amerikanische Psychologinnen meinen ja. Sie untersuchten und beobachteten fünf Jahre lang weibliche Teams und fanden heraus: Reine Frauenteams sind anders und müssen auch anders geführt werden.

Rubrik: Management; Autor: Marion Beuthling

Betrachtet man die fast unüberschaubare Management-Literatur zum Thema Teamführung fällt auf, dass die dortigen Autorinnen und Autoren in Sachen Führungsfragen nur selten das Geschlecht der Mitarbeiter beachten. Zwar werden die Führungskräfte selbst mit ihren Fähigkeiten als weibliche oder männliche Leiter beurteilt - über die geschlechtsspezifische Zusammenarbeit im Team oder deren Führung liest man nur wenig. Die Studie der beiden amerikanischen Psychologinnen zeigt: Reine Frauenteams brauchen andere Führungskonzepte als gemischte Gruppen oder Männerteams. Dabei stellten die beiden Wissenschaftlerinnen fest: Zu berücksichtigen ist auch, ob rein weibliche Teams von einem Mann oder einer Frau geführt werden. In Apotheken lassen sich in Sachen Führung daraus einige Erkenntnisse ableiten.

Ob Mann oder Frau führen

Ob ein Mann oder eine Frau einem weiblichen Team vorstehen, hat einen großen Einfluss darauf, wie das Team die Führungsposition akzeptiert. Die männliche Führungsrolle, einmal akzeptiert, bleibt meistens anerkannt. Leitende Frauen müssen hingegen immer wieder um ihre Position kämpfen. So entwickeln sich in weiblichen Teams häufig so genannte „graue Eminenzen“. Dabei handelt es sich häufig um langjährige Mitarbeiterinnen, die aufgrund von Wissen, Sympathie oder anderen Fähigkeiten in der Rangfolge im Team ganz oben stehen. Diese als „stille“ Mitleiterin zu ignorieren oder gar gegen sie zu arbeiten, führt meistens dazu, dass das Team gespalten wird. Die Wissenschaftlerinnen raten weiblichen Führungskräften deshalb dazu, solche „grauen Eminenzen“ in das Führungskonzept einzubauen und deren Position beratend und mitführend zu nutzen.

Muss die männliche Führungskraft bereits durch das „anders Sein“ selten um den anerkannten Leitungsplatz fürchten, erwartet ein rein weibliches Team von ihrer Leiterin eine regelrechte Balance zwischen Mitarbeiterin, Mitstreiterin und Chefin. „Chefinnen von Frauenteams sind automatisch näher dran“, so die amerikanischen Wissenschaftlerinnen. Ein Vorteil und Nachteil zugleich, denn auf der einen Seite stärkt das beispielsweise die Loyalität und das Vertrauen, erschwert möglicherweise aber auch die Delegation oder die Durchsetzung unangenehmer Entscheidungen. „Führende Frauen müssen gerade in weiblichen Teams hier noch konsequenter sein als ihre männlichen Kollegen“, so der Rat der Psychologinnen. Im Apothekenalltag bedeutet das, immer wieder zu überprüfen, ob es sinnvoll ist, ganz nah am Team zu sein oder ob es im Augenblick besser sein kann, als Chefin einen entsprechenden Abstand zu haben.

Männer verstehen Frauen nicht

Zwar müssen Männer als Führungskräfte weiblicher Teams nicht ständig um ihren Rang kämpfen, eine Nähe zum Team, wie es den Leiterinnen gewährt wird, bleibt ihnen jedoch verwehrt. Die Wissenschaftlerinnen führen dies darauf zurück, dass sich rein weibliche Teams von männlichen Führungskräften weniger verstanden fühlen. Das gilt besonders bei Konflikten im Team. Männliche Führungskräfte neigen bei entsprechenden Schlichtungsgesprächen dazu ihre männlichen Lösungen vorschnell anzubieten, während Frauen mehr zuhören und das Team selbst Lösungen finden lassen. „Etwas“, so die Psychologinnen, „was vor allem rein weiblichen Teams eigen ist.“ Konflikte in Frauenteams lösen sich also häufig von selbst, es braucht - im Gegensatz zum männlichen Team - einfach etwas mehr Zeit. Und auch nicht jede Missstimmung ist in reinen Frauenteams gleich ein Konflikt und bedarf eines gemeinsamen Gespräches.

Klarer Führungsstil hilft

Teams brauchen einen klaren Führungsstil - das gilt insbesondere für reine Frauenteams. Die Studie ergab: Weibliche Teams reagieren wesentlich empfindlicher auf einen Wechsel im Führungsstil beziehungsweise auf unklare Arbeitsabläufe oder Anweisungen als männliche. Der Teamgeist wird durch klare Aufgaben und Strukturen gefördert und kippt sehr schnell, wenn die Führungskraft Entscheidungen nicht fällt, umstößt oder schlecht kommuniziert. Wer also ein Frauenteam führt, tut gut daran, ein kontinuierliches Führungsverhalten an den Tag zu legen und klare und nachvollziehbare Entscheidungen in das Team hineinzugeben. „Rein männliche oder gemischte Teams sind“, so die Meinung vieler Kommunikationsträger, „eher in der Lage, die Achterbahn von entscheidungsschwachen Führungskräften zu ertragen“.

Streitkultur Raum geben

Es gibt sie überall, die Querulanten, Quertreiber, Miesmacher und Streithähne. Da bilden natürlich auch rein weibliche Teams keine Ausnahme. Konflikte sind hier vorprogrammiert und werden in weiblichen Teams gern „unter sich“ gelöst. Frauenteams brauchen dafür nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr kommunikativen Freiraum. „Weibliche Teams“, so die amerikanischen Wissenschaftlerinnen, „lösen Konflikte verstärkt über das miteinander Reden.“ Und das nicht nur einmal, sondern - mehrmals. Das mehrmalige Beschäftigen mit einem Konflikt ist also kein Zeichen für die Schwere einer Auseinandersetzung, sondern eine Notwendigkeit zu deren Lösung. Als Chefin oder Chef ist es daher wichtig, Mitarbeiterinnen möglichst solche kommunikativen Freiräume zu lassen und nicht als unnützes „Tratschen“ abzuwerten.

Stellung beziehen

Tendenziell gesehen investieren männliche Teams die meiste Energie in die Sachebene. Fakten und sachliche Informationen stehen im Vordergrund. Interessenkonflikte werden hier oft knallhart „ausgefochten“. Bei rein weiblichen Teams stellten die amerikanischen Psychologinnen eher die Tendenz fest, bei unterschiedlichen Interessen einen Ausgleich zu finden, also eher nachgiebiger zu sein. Nicht selten wurden sogar „faule Kompromisse“ geschlossen, um die Harmonie im Team nicht zu zerstören. Die Wissenschaftlerinnen sehen darin einen Konfliktherd, den man als Führungskraft nicht zulassen sollte. Sie raten: „Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiterinnen in Teamsitzungen und Besprechungen Stellung zu beziehen.“ Ein „Mir ist es egal“ oder „Ich sage nichts dazu“, sollten Sie als Apothekenleiter/in gerade in Frauengruppen nicht akzeptieren. Auch das „Mauerblümchen“ ist zu ermuntern, klar die Meinung zu sagen - wenn nicht im Team, dann wenigstens im Einzelgespräch.

Loyal und begeisterungsfähig

Sind nun reine Frauenteams nicht nur anders, sondern auch besser als gemischte Teams oder männliche Arbeitsgruppen? In Sachen Loyalität, Einfallsreichtum und Begeisterungsfähigkeit ja. Hier sind rein weibliche Teams anderen weitaus überlegen. Wenn Frauenteams ein gemeinsames Ziel haben, für das alle eintreten können, sind diese nicht mehr zu stoppen. Kreativität, Engagement und das gegenseitige Unterstützen und Helfen kennen dann keine Grenzen mehr. Wer also mit seinem Frauenteam auf Erfolgskurs gehen will, sollte als Chefin oder Chef für Ziele begeistern können, die für alle sinnvoll und erreichbar erscheinen. Denn das fanden die Wissenschaftlerinnen ebenfalls heraus: Teams, die nur aus Frauen bestehen, brauchen Ziele, die klar umsetzbar und vor allem erreichbar sind. Utopien und Visionen sind eher etwas, was Männergruppen motiviert.

Nicht schwerer sondern anders

Ist es nun einfacher Frauen-, Männer- oder gemischte Teams zu führen? „Nicht einfacher, sondern anders“, meinen Dr. Kirkpatrick und Blather. Teams, die sich nicht führen lassen, gibt es nicht, es gibt nur Führungskräfte, die nicht richtig, das heißt auch geschlechtspezifisch, führen können.“

Sie. Wir. Und Ihre Apotheke.